April 2026|3 Minuten Lesezeit
Dr. Andrea Vathje
Privatize
Head of Privatize Private Markets Institute
Mit der wachsenden Bedeutung von Private-Markets-Fonds, die als Evergreen- bzw. semi-liquiden Strategien aufgesetzt sind, rückt das Thema Liquiditätsmanagement in den Fokus.
Ein zentrales Instrument in diesem Kontext ist das sogenannte Gating. Dabei handelt es sich um einen Schutz-Mechanismus, der in bestimmten Situationen eingesetzt werden kann, um zu verhindern, dass illiquide Vermögenswerte (z. B. Unternehmen oder Infrastrukturprojekte) unter Zeitdruck und zu ungünstigen Preisen veräußert werden müssen.
Evergreenfonds, die in illiquide Anlageklassen wie Private Debt, Private Equity oder Infrastruktur investieren, bieten Anlegern regelmäßige Rückgabemöglichkeiten – häufig auf quartalsweiser Basis.
Gleichzeitig sind die zugrunde liegenden Investments wie privat vergebene Kredite, Unternehmen oder Infrastrukturprojekte langfristig ausgerichtet und werden nicht kontinuierlich über liquide Märkte gehandelt. Diese strukturelle Illiquidität ist ein wesentlicher Bestandteil der Anlageklasse und wird durch eine zusätzliche Rendite kompensiert – die sogenannte Illiquiditätsprämie.
Um Rückgaben grundsätzlich zu ermöglichen, halten Evergreen-Fonds einen begrenzten Anteil an liquiden Anlagen, etwa in Form von Geldmarktinstrumenten oder anderen liquiden Investments. Diese dienen als Liquiditätspuffer.
Da der überwiegende Teil des Fondsvermögens jedoch in illiquiden Assets investiert ist, sind Rückgaben nur in dem Umfang möglich, in dem ausreichend liquide Mittel vorhanden sind. Daraus ergibt sich eine strukturelle Obergrenze für Rücknahmen.
In der Praxis wird diese häufig durch klare Limits definiert, beispielsweise 5 % des Fondsvermögens pro Quartal und 15 % pro Jahr.
Übersteigen die Rückgabewünsche der Anleger diese definierten Grenzen, kann der Fondsmanager die Rückgaben nur anteilig bedienen. Dieses Vorgehen wird als Gating bezeichnet.
Konkret bedeutet dies: Rückgabeaufträge können weiterhin gestellt werden, werden jedoch unter Umständen nur teilweise ausgeführt. Der nicht bediente Anteil wird auf die folgenden Rückgabetermine übertragen.
Die Zuteilung erfolgt dabei pro rata, um sicherzustellen, dass alle Anleger gleichbehandelt werden und keine Vorteile durch frühzeitige Rückgabeaufträge entstehen (Vermeidung von sogenannten Front-Running-Effekten).
Gating dient in erster Linie dem Schutz der bestehenden Investoren.
Ohne entsprechende Regelungen könnten Fondsmanager gezwungen sein, Vermögenswerte kurzfristig zu veräußern, um Rückgaben zu bedienen. Bei illiquiden Anlagen besteht dabei das Risiko signifikanter Preisabschläge auf den tatsächlichen Wert, wenn Verkäufe unter Zeitdruck erfolgen.
Solche erzwungenen Transaktionen könnten die Performance des Fonds beeinträchtigen und damit die verbleibenden Investoren benachteiligen.
Gating stellt daher ein Instrument des Liquiditätsmanagements dar, das darauf abzielt, die Interessen aller bestehenden Investoren im Fonds zu wahren. Anstatt Vermögenswerte unter ungünstigen Marktbedingungen zu veräußern, kann der Fondsmanager die Rückgaben zeitlich strecken und so das Portfolio weiterhin im Sinne der langfristigen Anlagestrategie bewirtschaften.
Bei Evergreenfonds ist dieser Mechanismus Teil der strukturellen Fondsarchitektur.
Die zugrunde liegenden Anlagen - etwa privat vergebene Kredite oder Unternehmensbeteiligungen - werden in der Regel nicht über liquide Sekundärmärkte gehandelt. Entsprechend unterscheiden sich Liquidität und Preisbildung deutlich von börsennotierten Wertpapieren.
Der Gating-Mechanismus schafft hier einen wichtigen Ausgleich: Er ermöglicht es, in illiquide Anlagen zu investieren und gleichzeitig Anlegern eine gewisse, regelmäßig verfügbare Liquidität für Investoren bereitzustellen. Damit trägt der Mechanismus dazu bei, die strukturellen Eigenschaften der Anlageklasse Private Markets mit den Liquiditätsanforderungen der Anleger in Einklang zu bringen.
Für Berater und deren Kunden ist es entscheidend, die Funktionsweise solcher Mechanismen zu verstehen und in der Portfolioallokation zu berücksichtigen.
Gating ist ein wichtiges Instrument innerhalb der Fondsstruktur und dient insbesondere dem Schutz der Anleger. Der Mechanismus trägt dazu bei, Liquidität verantwortungsvoll zu steuern, die Interessen aller Investoren zu schützen und die langfristige Stabilität sowie die strategische Ausrichtung des Fonds sicherzustellen.
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